Unterwegs

Florenz Ende Januar für Kurzentschlossene

Dom Florenz Campanile

Annäherung an ein Baudenkmal

Sich immer nur über Bilder oder Filme zu informieren reicht nicht aus, wenn man ein passendes inneres Gesamtbild von seiner Lieblingssehenswürdigkeit haben möchte.  Ich muss das Objekt vor Ort sehen. Mich ganz nah davor aufbauen. Dann einen mutigen Blick aus der Distanz wagen, um mich danach wieder anzunähern.

Der romanisch-gotische Dom Santa Maria del Fiore in Florenz ist dafür das beste Beispiel! Auf großen und kleinen Abbildungen in Reiseführern und in einigen YouTube-Videos hatte ich mir den viertgrößten Dom der Welt in den unterschiedlichsten Größenverhältnissen angesehen. Auch aus verschiedenen Blickwinkeln. Und ich dachte, ich hätte mir so einen halbwegs realistischen Eindruck verschafft.

Dann lief ich plötzlich von der Via de‘ Cerretani auf die Westfront des Doms zu und bekam eine Ahnung davon, dass ich das Ausmaß dieses Gebäudes nicht annähernd begreifen würde. Je nach Standort und Lichtverhältnissen veränderte sich das Gesamtbild, das mein Kopf erzeugte, von einer auf die andere Sekunde.

Von verschiedenen Westfront-Standorten aus wirkten weiter zurückliegende Bereiche des Gebäudes fast nur wie eine Filmkulisse. Oder wie eine unwirkliche flirrende Fatamorgana. Obwohl sie ganz real da waren!

Das ist doch bei anderen Kathedralen auch so, könnte jetzt euer Einwand lauten? Aber das stimmt nicht! Vor anderen riesigen Kathedralen stehe ich und es ist einfach nur riesig und unfaßbar. Und dieser Eindruck bleibt meistens auch so.

Florenz Dom rot grün Aussenfassade

 

Es muss mit der so unverwechselbaren weiß-grün-rot gehaltenen Marmorfassade zu tun haben. Ohne das jetzt überprüft zu haben, ist sie aus meiner Sicht die Ursache für derartige Sinnestäuschungen über die Ausmaße des Gebäudes.

Ende Januar nach Florenz? Na klar: nur noch Ende Januar!

Ende Januar nach Florenz? Ist das nicht viel zu kalt, zu nass oder zu neblig? Und fehlt da nicht das gewisse Reiseflair?

Ganz im Gegenteil. Ich möchte sogar sagen: nur noch im Januar oder Februar nach Florenz! Unabhängig von den etwas kühleren Temperaturen, war es auf den Gassen, im Dom, den Uffizien  und auf der Pontevecchio  schon bevölkert genug. Die Temperaturen in der Zeit vom 29. Januar bis 1. Februar hielten sich gut um die 12 bis 14 Grad tagsüber und wenn es mal ein bisschen regnete, brauchte man nur mal kurz den Regenschirm aufzuspannen.

Wir hatten uns zwischen Weihnachten und Neujahr relativ kurzentschlossen einen Flug mit easyJet besorgt (120 E. für 2 Personen Hin- und Rückflug) und mit dem Hotel Desirée in der Via Fiume ein solides 3 Sterne-Hotel in der Nähe der Stazione Centrale und der Kirche Santa Maria Novella gefunden.

Pro Übernachtung zahlten wir zu zweit 43 E. pro Tag, Frühstück kostete 5 E. pro Person extra und die Kurtaxe belief sich auf 3,50 E. pro Tag und Person.

Leider verzögerte sich der Abflug von Berlin-Schönefeld am Anreisetag um ca. 1 Stunde, sodass wir unseren Bustransfer vom Zielflughafen in Pisa nach Florenz gerade noch erreichten. Das Konnubio in der Via dei Conti empfing uns auch noch zu später Stunde am ersten Tag und ließ uns das bisschen Streß sofort wieder vergessen.

Gehen, Sehen, Riechen, Schmecken – Florenz mit allen Sinnen

Gehen und Schlendern über altes unebenes Straßenpflaster, durch enge Gassen und belebte Straßen. Das sind meine ersten Eindrücke in der Stadt. Und immer wieder den Kopf ungläubig und staunend zu beiden Seiten auf die hohen Häuserfassaden richten. Nicht ein einziges unhistorisches Gebäude, das mir aufgefallen wäre. Stattdessen jedes Haus mit erkennbar langer, sprechender Geschichte. Viele kleine einladende Geschäfte.

Florenz Haus Trattoria

Der Geruch der Stadt, der sich zusammensetzt aus Auto- und Heizungsabgasen, den Essensdüften der Restaurants und den Ausdünstungen der Lederwaren in den dichtgebauten kleinen Geschäften.

Der Sound der Stadt: die knatternden Vespas, der immer in der Ferne präsente Auto- und Straßenlärm, die Straßenverkäufer und Touristen und der Glockenklang vom Palazzo Vecchio. Dazu auf dem Heimweg das Gezwitscher tausender Stare am Himmel über mir, die zu Scharen versammelt aus dem Süden nach Europa zurückkehren.

Schließlich der Geschmack der Stadt: die handgemachte Pasta mit Trüffel, Pesto und Knoblauch, Panna Cotta und der hauseigene Rotwein in der Osteria del Cinghiale Bianco. Das unglaubliche Eis bei Amorino und die heiße Schokolade so „flüssig wie ein Schokoladenpudding“ im Shake Café. Zwischendurch immer mal wieder ein Espresso und ich fühlte mich einfach nur gut aufgehoben.

Florenz Panna Cotta

Meine Highlights – unbedingt hingehen!

Was Ihr Euch unbedingt ansehen müsst und was innerhalb von 2 Tagen auch machbar ist:

  • eine Besteigung der mächtigen Domkuppel (gebaut von Filippo Brunelleschi 1418-1434). Auf der 107 Meter hochen Aussichtsplattform hat man selbst wenns neblig ist eine fantastische Aussicht.
  • das Battistero anzusehen. Es macht von außen nicht den Eindruck, die Innenseite der Kuppel ist aber unbeschreiblich schön mit Gold gestaltet. So schön, dass man es im Grunde auch wieder nicht fassen kann! An den Außenportalen kann man die goldenen Relieftafeln bewundern, die Szenen aus dem Alten Testament darstellen.
  • Für die Domkuppelbesteigung und den Eintritt ins Battistero zahlten wir pro Person 15 Euro.
  • der Piazzale Michelangelo liegt auf der anderen Seite des Arno und von hier aus hatten wir auch bei leichtem Nebel eine fantastische Aussicht auf die Dächer der Stadt. Irgendwo habe ich gelesen, dass diese farbige Aussicht einem Renaissancegemälde gleicht und das ist wirklich nicht übertrieben! Auch hier oben kann man Michelangelos David, diesmal aus Bronze, bewundern.
  • die Pontevecchio – eine der ältesten Segmentbogenbrücken von 1345
  • die Uffizien mit weltberühmten Kunstwerken von Caravaggio und da Vinci und dem weltberühmten Gemälde von Botticelli, die Geburt der Venus. In den Uffizien gibt es gründliche Sicherheitskontrollen. Wir zahlten 8 E. Eintritt pro Person und 10 E. für einen Partner-Audioguide. Von der Terrasse des Uffizien-Cafes in der 2. Etage hat man einen sehr beeindruckenden Blick auf die rotbraune Domkuppel.
  • die Kirche Santa Croce, zu der (Legende!) der heilige Franz von Assisi selbst den Grundstein gelegt haben soll. Hier befinden sich auch zahlreiche Grabmäler. Wer also auf Grabdenkmäler wert legt, kann hier mit einem Gang die Gräber von Machiavelli, Michelangelo, Galileo Galilei und Gioachino Rossini besichtigen. 

Spontan und flexibel, so könnte man das Motto des Kurztripps nach Florenz zusammenfassen. Und obwohl 3 Tage für Florenz nicht ausreichen – es war ein sehr interessantes Spotlight auf eine europäische Kulturstadt, die auch auf die Schnelle neue Blickwinkel eröffnet. Und auch eine Grundlage für weitere, vielleicht sogar längere Besuche legte.  

Ach ja, und was war nochmal der Unterschied zwischen Osteria, Trattoria und Pizzeria?

  1. Da hast Du unseren Kurztrip sehr schön zusammengefasst! Kann alles nur bestätigen, insbesondere Dein Plädoyer für die Reisezeit im Januar/Februar. Im Sommer würden mich keine zehn Pferde nach Florenz bringen, das muss grauenhaft sein. Auch im Reiseführer wird unablässig auf die Touristenmassen und stundenlangen Wartezeiten hingewiesen.
    Judith

  2. Osteria = liegt im Osten der Stadt. Trattoria = falsch. Heißt Trottoir. Und in der Pizzeria gibt’s was Anderes. Zusammengefasst heißt das, dass man auf dem Trottoir in den Osten der Stadt kommt, um dort ’ne Pizza zu essen. Suche nicht nach Unterschieden. Suche die Zusammenhänge…
    Kurzum, Du hast dir viele Gedanken, gute Gedanken, gemacht, und sie ebenso formuliert.
    Da schaue ich gerne wieder rein. Allemal ich unsere kommende gemeinsame Reise dort
    „aufgearbeitet“ nachlesen kann. Schön, oder?

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