Unterwegs

Südostasien im März – Zwischenstand und Relaxen in Thailand

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Khao Sok: Zwischenstand und Relaxen in Thailand

Die erste 32 GB-Speicherkarte ist voll und mein MacBook fordert mich auf, altes Material zu löschen, damit ich überhaupt weiter speichern und ordnen kann. Wenn das kein Grund fürs Innehalten und Reflektieren ist! Und wie gut, dass wir mit der Khao Sok Bamboo Lodge hier einen Ort gefunden haben, der sich dafür hervorragend eignet.

Vorgestern (8. März) verließen wir nach 5 Tagen in Siem Reap Kambodscha, um unsere Reise in Thailand fortzusetzen. Den  ursprünglichen Plan, Chiang Mai im Norden zu besuchen, um von dort aus über eine Nordwestroute nach Bangkok vorzudringen, änderten wir mehr oder weniger spontan.

Aus Nord wurde Süd, aus Chiang Mai Surat Thani. Und jetzt sitzen wir also in der Khao Sok Bamboo Lodge und schieben gerade 1 Tag Relaxen ein.

Zum Reflektieren habe ich mir einen Ort mit paradiesischer Aussicht ausgesucht: die kleine Veranda vor unserem kleinen Häuschen im Resort.

Dieser Blick entspricht dem, was ihr im Beitragsbild seht. Ist das nicht einfach nur klasse?

3 bis 8 Grad in Deutschland und alle Zweifel, ob Kambodscha jetzt der richtige Ort für uns ist, waren sofort verschwunden!

In den Reisemodus umgeschaltet! 

An die hohen Temperaturen hier haben wir uns schon gewöhnt. Es wäre auch komisch, sich jetzt noch darüber zu beschweren. Wir haben das immer gewollt!

Dann nach Südostasien zu fahren, wenn es bei uns in Deutschland dunkel, kalt und grau ist. Also zum Beispiel im Winter während der ersten 3 Monate im Jahr.

Und immer, wenn wir es auf der Reise als viel zu heiß empfanden, reichte ein Blick auf die Wetter-App: 3 bis 8 Grad in Deutschland und alle Zweifel, ob Kambodscha jetzt der richtige Ort für uns ist, waren sofort verschwunden!

Gewöhnungsbedürftiger ist für mich die hohe Luftfeuchtigkeit. Alles, was Du in den Taschen oder im Brustbeutel aufbewahrst, wird irgendwann klamm und rutschig.

Von Zeit zu Zeit löse ich daher alle Tascheninhalte auf und lasse den Inhalt 1 Nacht lang ganz nah an der Klimaanlage trocknen. Dann kann man es am nächsten Tag wieder gut anfassen.

Wie können die Menschen hier eigentlich so leben wie sie leben? Ein Punkt, den wir unterwegs immer wieder diskutieren. Vor dem Hintergrund des Gefälles zu unserem Lebensstandard, für den wir nur das Wort Armut kennen.

Nicht wirklich gewöhnt haben wir uns an unser Hauptreisegepäck: 2 große und schwere Rucksäcke. Die mit dem Handgepäck und all den weiteren kleinen Dingen zu transportieren, ist immer wieder ein Angang!

Rauf und runter vom Tuk-Tuk, vom Jeep, vom Boot, das war schon sehr nervig bisher. Zum einen wegen des Gewichts, zum andern wegen der rumflatternden Brust- und Rumpfgurte. Daher werden wir für die nächste Reise auf jeden Fall etwas auf Rollen anschaffen.

Gewöhnungsbedürftig war erstmal auch das Reisen im Land. Die Busfahrt von Phnom Penh nach Battambang auf der Nationalstraße 5, die schon nach kurzer Zeit für 40 Minuten wegen einer Panne am Radlager unterbrochen werden musste.

Für eine Distanz von 290 Kilometer brauchten wir über 6 Stunden.

KambodschaBattambangSiemreapJeepGepäck

Da war die Welt noch in Ordnung: in Battambang vor unserer Abreise nach Siem Reap

Gewöhnungsbedürftig war auch der Transfer von Battambang bis nach Siem Reap. Eigentlich hatten wir diese Fahrt ausschließlich per Boot über den Tonle-Sap-See machen wollen.

Da wegen der niedrigen Wasserpegelstände während der Trockenzeit auch die Zuflüsse zum Tonle-Sap-See zu wenig Wasser hatten, war unsere Bootsanlegestelle immer weiter in Richtung unseres Ziels gewandert. Wir waren also auf einen Autotransfer mit einem Geländejeep dahin angewiesen.

Zum Glück konnten wir im Fahrerhaus des Jeeps sitzen. 3 mitreisende junge Französinnen hatten sich gleich bereiterklärt, auf der Pritsche mitzufahren.

Wir waren gerade 15 Minuten unterwegs, als unser Fahrer einen Anruf bekam. Ohne dass wir sein verschmitztes Lächeln hätten deuten können, wendete er den Wagen und wir kehrten zum Startpunkt zurück.

Hier stiegen dann noch 8 Einheimische hinten auf die Pritsche. Von Zeit zu Zeit klopfte einer von ihnen auf das Dach des Jeeps.

Und immer dann, wenn es für „die da draußen“ während der anderthalbstündigen Höllenfahrt nicht mehr auszuhalten war, passte unser Fahrer seinen Fahrstil mal den Gegebenheiten auf der Straße an.

Vom Bootsanleger bis nach Siem Reap brauchten wir dann noch einmal 4 Stunden, die allerdings vollkommen reibungslos verliefen.

Aber irgendwann ist das alles nicht mehr so schlimm: wir lassen uns treiben und tauchen ein in das kambodschanische Stimmenmeer. Und beim Abendessen oder spätestens beim Frühstück am nächsten Morgen ist uns bewußt, dass wir hier und jetzt gerade etwas ganz besonderes erleben.

 

Prägende Eindrücke – die Menschen

Wie können die Menschen hier eigentlich so leben wie sie leben? Ein Punkt, den wir unterwegs immer wieder diskutieren. Vor dem Hintergrund des Gefälles zu unserem Lebensstandard, für den wir nur das Wort Armut kennen.

Auch wenn wir ihr Leben höchstwahrscheinlich gar nicht richtig beurteilen können. Und aus dem, was wir sehen, vielleicht falsche Schlüsse ziehen, da auch wir nur schwer unsere europäische Brille absetzen können.

Buna, der Tuk-Tuk-Fahrer zum Beispiel, der uns 2 ganze Tage lang durch Angkor chauffierte. Und der immer so abgemüht aussah.

20 bis 22 Dollar verlangte er pro Tag und wirkte erleichtert und froh über jeden Folgeauftrag. Der aber immer nur ein Auftrag für den nächsten Tag war. Danach war wieder ungewiß, wen und wie oft am Tag fahren und wieviel er verdienen würde.

KambodschaTukTukFahrerPhnomPenh

Zahlt der kambodschanische Tuk-Tuk-Fahrer eigentlich für den Fall der Fälle in eine Versicherung ein?

Für uns alle unvorstellbar: ohne feste Anstellung jeden Tag aufs Neue nach Arbeit suchen. Und was ist, wenn eines Tages EBikes oder Taxis Tuk-Tuks vollkommen vom Markt verdrängt haben werden?

Gibt es da irgendeine Versicherung, in die der kambodschanische Tuk-Tuk-Fahrer für den Fall der Fälle einzahlt?

Kann ein kambodschanischer Tuk-Tuk-Fahrer eigentlich über den Bedarf für seine Familie hinaus sparen? Vielleicht für eine Reise nach Thailand oder Vietnam?

Buna hat das eindeutig verneint und gemeint, er müsste Geld für seine 3 Kinder verdienen, damit die eine gute Schulbildung bekommen.

Prägende Eindrücke – die junge Geschichte

Auch wenn ich an unserem ersten Tag in Phnom Penh nur gedämpft wahrnehmungsbereit war,  Tuol Sleng machte mich einfach nur wütend.

Auf die Menschen, die andere unterdrücken und foltern.

Tuol Sleng ist der Ort, an dem die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 zwischen 14.000 und 20.000 Kambodschaner inhaftierten und folterten. Dafür wurde die ehemalige Schule S 21 mit einem Elektrozaun umzäunt.

Die Klassenräume wurden in Gefängniszellen und Folterkammern umgewandelt. Die Foltermethoden, die in den Räumen dargestellt werden, zeigen die ganze perverse Fantasie der Mächtigen.

Prägende Eindrücke – Angkor

Angkor ist die Region, die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja bildete. Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² kann man hier einmalige historische Tempel erleben.

Bis zu 1 Million Menschen sollen im Umkreis von Angkor zum Höhepunkt des historischen Königreiches auf etwa 1000 km² gelebt haben.

Neben den Tempeln Angkor WatBayonTa ProhmBanteay Srei und Beng Mealea besichtigten wir am 3. Tag auch den sehr beeindruckenden Baksei Cham Krong und die Terrasse des Lepra-Königs. 

Das sind nur mal die für mich beeindruckendsten Tempel. Unser letzter Tempel am 3. Tag war der Ta Nei. Der lag wirklich sehr weit ab vom Schuss.

Es sollte ein sehr stiller und umso beeindruckender letzter Tempelbesuch auf dieser Reise werden.

Hatte ich bisher in allen Tempel wie ein Wilder drauflos fotografiert, so bremste mich hier die volle 32GB-Speicherkarte aus. Dabei hatte ich gerade angefangen, zu fotografieren.

Was sollte ich tun? Ich könnte eine neue Karte einsetzen! Oder aber einfach mal die Atmosphäre dieses historischen und heiligen Ortes auf mich wirken lassen.

Ich entschied mich gegen eine neue leere Speicherkarte und für die Atmosphäre. Eine Entscheidung, die ich nicht bereuen werde. Ehrlich!

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