Momentaufnahme

Taxifahren in Bangkok – der Deal mit dem Sponsor

Kambodscha2017PnomhPenhTukTukVerhandeln

Taxifahren in Bangkok. Man könnte auch Kambodscha nehmen, das wir ja diesen März auch besuchten. Oder Vietnam.

Wahrscheinlich auch andere südostasiatische oder asiatische Orte. Oder eben all die Orte auf der Welt, wo im Vorfeld der Fahrt oder des Transportes zwischen Fahrer und Fahrgast der Preis ausgehandelt wird.

In Japan zum Beispiel, wo ich früher auch einige Male Taxi fuhr, habe ich die ganze Prozedur vom Rufen oder Winken nach dem Taxi, dem Übermitteln des Fahrziels und der Preisgestaltung immer als absolut steril erlebt. Dieses Bild hat sich wahrscheinlich deshalb bei mir im Kopf verfestigt, weil die Taxifahrer eine Uniform und weiße Handschuhe trugen.

Wenn man auf der Straße in der Stadt ein Taxi rief, der Taxifahrer einen als fahrbereit erkannt hatte und sein Taxi an den Bordsteinrand steuerte, öffnete sich per Knopfdruck die Hintertür, die man zum Einsteigen zu benutzen hatte. Dann wurde kurz und nüchtern das Fahrziel ausgetauscht, der Taxameter eingeschaltet  und – das wars! Keinerlei persönliches Gespräch!

Alle japanischen Taxifahrer, mit denen ich fuhr, hielten sich vornehm zurück, was auch an ihrer Kleidung, der Uniform mit Dienstmütze und den weißen Handschuhen abzulesen war. Für mich ein Signal, den Taxifahrer auch nicht anzusprechen.

Das war in Bangkok in diesem Jahr, auch davor in Kambodscha, in Pnomh Penh und Siem Reap anders.

In Pnomh Penh benutzten wir sehr häufig ein Tuk Tuk (s. Beitragsfoto) und wäre nicht unser Freund und erfahrener Südostasien-Kenner Gerd dabei gewesen – wahrscheinlich hätten wir den verlangten Preis bedingungslos akzeptiert, wären eingestiegen und losgefahren.

Schon auf einer gemeinsamen Vietnam-Reise vor 5 Jahren führte uns Gerd in die Verhandlungskunst mit den Tuk Tuk Fahrern ein.

1. Gebot: nicht einfach alle erstgenannten Preisvorstellungen des Fahrers akzeptieren

2. Gebot: Verhandeln, Verhandeln, Verhandeln

3. Gebot: Spaß dabei haben

Eigentlich lag mir Verhandeln früher nie. Spätestens seit einem Urlaub in der Türkei 2011 und durch die Tipps eines türkischen Kollegen bekam ich mehr und mehr Spaß am Verhandeln.

Die Tipps:

  • Anhören, was der Käufer haben will,
  • das dann durch 10 teilen
  • dieses Ergebnis als Verhandlungsbasis nehmen

Ich muss aber auch eingestehen: ich fand die Fahrt- und Transportkosten in Kambodscha und Thailand alle auf Anhieb nicht so hoch, was aber auch daran liegen kann, dass ich generell unter „Relativitätsschwankungen“ leide, wenn es um die Umrechnung ferner Währungen ging.

Jetzt Schnitt. Und zurück zum Anfang.

Die Geschichte, die ich eigentlich erzählen wollte, hat mit einer Taxifahrt in Bangkok zu tun. Und eben mit dem Ganzen, das ich am Anfang erwähnte. Verhandlungen über den Preis und dass das dazu gehört.

Meine Frau und ich hatten an diesem Abend ein Ziel: den „J J Green Market“. Keine Ahnung, in welchem Stadtteil Bangkoks der liegt. Vor unserem Hotel, dem „New Siam Riverside“, direkt am Chao Phraya, sprachen wir einen Taxifahrer an, der mit unserem Ziel tatsächlich auch etwas anfangen konnte.

Meine Frau hatte sich zuvor an der Hotelrezeption des New Siam erkundigt, wieviel man ungefähr bis dahin im Taxi zahlen müßte.

Unser Fahrer vor dem Hotel aber nannte einen astronomischen Preis, den wir ablehnen mussten. Der Taxifahrer murrte, wir sagten ihm, was die im Hotel gemeint hätten. Dann – der Mann hielt inne, und plötzlich – ja, okay, er könnte uns zu diesem Preis fahren.

Allerdings müssten wir ihm einen Gefallen tun! Wir bräuchten nur zuzustimmen, für 10 Minuten bei seinem Sponsor vorbeizuschauen.

Auch, wenn wir ungefähr ahnten, was kommen würde, ließen wir uns auf diesen Deal ein. Während der Fahrt, die uns sehr lang vorkam, unterhielten wir uns erstaunlich gut und locker mit dem Fahrer. Und das nicht, weil wir das Gespräch am Laufen hielten. Nein, der Fahrer tat das, indem er einen thailändisch-deutschen Gesprächsrahmen setzte:

„Der bisherige thailändische König Bhumibol, seine kulturellen Neigungen, die Ausbildung, die er in der Schweiz genossen hatte und all das Gute, das er für das thailändische Volk tat. Und jetzt sein Sohn, der den überwiegenden Teil seiner Zeit in Deutschland lebte und in keinster Weise mit seinem Vater zu vergleichen sei.“

Dann – nach längerem Hin- und Hergekurve  hielten wir  – endlich – vor einem edlen, gut ausgeleuchteten Geschäft, einem Herrenschneider! Und wie gesagt, wir bräuchten uns nur 10 Minuten bei seinem Sponsor aufzuhalten und uns umzusehen, dann würde der Geschäftsinhaber unserem Taxifahrer einen Spritgutschein schenken. Und alles wäre gut!

Gutmenschen, die wir waren, taten wir das. Wurden im Eingangsbereich des Geschäfts allerdings gleich am Umsehen gehindert. Ein stattlicher Mitarbeiter des Herrenschneiders, vielleicht sogar der Chef, begrüßte uns und als wir ihm sagten, wir wollten uns nur ein wenig umsehen, war seine Antwort, dass das leider nicht möglich sei.

Er könne uns, also mir, gerne einen Anzug, eine Hose, ein Jackett oder auch nur ein Hemd auf den Leib maßschneidern.

Meine Bemerkung, dass ich für Maß nehmen, Schneidern lassen und Anproben gar nicht mehr genug Zeit hätte – da unser Aufenthalt in Bangkok schon in 2 Tagen beendet sei, hatte deshalb auch zur Folge, dass wir das Geschäft schon nach 3 Minuten wieder verließen und unserem Fahrer, der so lange im Wagen wartete, einen Tobsuchtsanfall bescherten.

Es war dem Fahrer überhaupt nicht zu vermitteln, dass wir gar nicht die Möglichkeit hatten, uns nur mal für 10 Minuten im Laden umzusehen, sondern, dass ich mir einen Herrenanzug hätte schneidern lassen müssen, was ich nicht wollte und nicht konnte.

Da unser Fahrer nun auf den Spritgutschein verzichten musste, forderte er plötzlich sogar den ursprünglich genannten Preis von uns. Das lehnten wir ab und mit einigem Murren und beleidigter Arroganz lieferte er uns schließlich am JJ Green Market ab.

Die Rückfahrt mit einem anderen Taxifahrer verlief vollkommen problemlos. Das Wort „Sponsor“ allerdings haben wir bis auf unbestimmte Zeit auf den Index gesetzt 😉 😉

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